Evang. Kirchengemeinde
Markus-Haigst
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Besinnung

fridays for future

Kennen Sie den? Im Stall fragt ein Schwein das andere: „Habe ich das Beste aus meinem Leben gemacht?“ Die Antwort kommt prompt: „Es ist Wurst, was aus dir wird!“

Für den Schweinestall mag das gelten, denke ich mir. Mir als Mensch ist es aber nicht Wurst, was aus uns wird. Den Jugendlichen, die freitags auf die Straße gehen, ist es auch nicht Wurst. Jetzt, nach den Sommerferien, werden sie uns das wieder zeigen. Sie als Schulschwänzer abzuqualifizieren, wird ihrem Anliegen aber nicht gerecht. In den Diskussionen mit meinen Schülerinnen und Schülern nehme ich den tiefen Wunsch nach einem erfüllten und sinnvollen Leben wahr. Und es stimmt mich nachdenklich, dass wir Erwach­senen ihnen in dieser Beziehung offenbar kein Vorbild sind. „Habe ich das Beste aus meinem Leben gemacht?“, frage ich mich — und nicht nur das Meiste, so wie dieser junge Mann:

Er fühlte sich stark. Als Geschäftsmann trieb er sich von Höchstleistung zu Höchstleistung. Mit 33 Jahren hatte er die erste Million verdient. Zehn Jahre später beherrschte er das größte Unter­nehmen, mit 53 Jahren war er der erste Dollarmilliardär. Aber er hatte seinen Erfolg mit seiner Gesundheit und Lebensfreude bezahlt. Er konnte nur noch Milch und Zwieback zu sich nehmen. Sein ausgemergelter Körper und seine ruhelose Seele boten ein Jammerbild mensch­licher Existenz. Viele Nächte lag er wach und dachte über sein Leben nach: Er war einsam, krank, nervös und verhasst. Er merkte, wie sinnlos es war, Geld anzuhäufen und daran kaputtzugehen.

Dann hatte er eine Idee — er wollte seinem Leben Sinn geben. Er setzte sein Vermögen gegen die Not und das Elend auf der Welt ein. Dazu gründete er eine Stiftung. Seine Millionen halfen mit, Krankheiten zu besiegen und Unwissenheit und Armut zu bekämpfen. Sein Geld trug wesentlich dazu bei, das Penicillin zu entdecken. Und dann geschah das Wunder. Er konnte wieder schla­fen. Bitterkeit, Egoismus, Groll und Hass wichen aus seinem Herzen und machten Platz für Liebe und Dankbarkeit. Er wurde gesund und hatte wieder Freude am Leben. Er wurde über­zeugter Christ und 98 Jahre alt. Der Grund für sein Engagement: „Dankbarkeit gegenüber dem Allmächtigen“, wie er später notierte. Sein Name: John D. Rockefeller.

Gott hat uns ein wunderbares Leben geschenkt. Dazu gehört auch Arbeit, denn der Mensch muss genug zum Leben haben. Doch wenn die Wirtschaft unsere eigenen Lebensgrundlagen zerstört, weil die Gier kein Ende kennt, dann ist es Zeit umzudenken. Gott will, dass wir unser Leben als wertvoll und sinnvoll erfahren, dass wir im Einklang mit der Schöpfung und mit uns selbst existieren. Ihm ist das alles nicht Wurst. Deshalb sollte es uns auch nicht Wurst sein.

Meint Ihr Pfarrer

Tilo Knapp