Evang. Kirchengemeinde
Markus-Haigst
Römerstraße 41
70180 Stuttgart
Tel. 0711 / 60 62 59

Besinnung

Lesen Sie hier die aktuelle Besinnung

 

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
Ich hab’ nichts, was mich freuet,
Verlassen steht der Baum im Feld,
Hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
Und rüttelt an dem Baume,
Da rührt er seinen Wipfel sacht
Und redet wie im Traume.

Er träumt von künft'ger Frühlingszeit,
Von Grün und Quellenrauschen,
Wo er im neuen Blütenkleid
Zu Gottes Lob wird rauschen.

 

Liebe Gemeinde,

leiden Sie auch hin und wieder am Winterblues? - Joseph von Eichendorff beschreibt in seinem Gedicht „Die Winternacht“ so eine Winterdepression oder saisonal-affektive Störung: Man mag morgens bei Dunkelheit und Kälte nicht aus dem Bett und hat tagsüber nicht die Energie, ins Freie zu gehen, sich zu bewegen und Licht zu tanken und verliert so die Fähigkeit, Schönes wahrzunehmen und sich zu freuen. Die verschneite Winterlandschaft legt sich wie eine allumgebende Schneedecke auf das Gemüt und der Mensch fühlt sich wie der Baum im Feld, verlassen und einsam, laublos und kahl vom Tode bedroht.

Da geht ein Wind bei stiller Nacht und rührt bei uns an ein wohlig weihnachtliches Gefühl:
Wie der Heilige Geist selbst rüttelt er „ganz sacht“ seinen Wipfel und redet mit ihm im Traum und schenkt ihm die Vorahnung auf den Frühling. Da erwacht der Baum verheißungsvoll zu frischem, blühenden Leben. Und am Ende erhebt der Mensch im Bilde des rauschenden Baumes seine Stimme zu Gottes Lob und Dank.

Dieser herrliche Traum wirkt auf mich wie eine Vorausschau auf Ostern. Noch befinden wir uns im Kirchenjahr in der Vorpassion. Doch bald spüren wir, dass die Tage wieder länger werden und die ersten Frühjahrsblüher ein wenig Farbe in unser großstädtisches Grau zaubern. Die Natur ist wie ein starkes Sinnbild für das, was wir als Christen glauben: Dass wir eines Tages aus dem dunklen Tal hinausgeführt werden, dass wir vom Tod ins Leben gerufen werden. Bis dahin lassen Sie uns – wann immer möglich – Licht und Sonne tanken und uns von der Schönheit der Natur berühren und die Sehnsucht nach der „lieben Sommerzeit“, wie der Liederdichter Johann Walter (EG 148, 1) die Ewigkeit umschreibt, nähren.

Herzlich grüßt Sie
Ihre Pfarrerin

Daniela Dunkel