Evang. Kirchengemeinde
Markus-Haigst
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Besinnung

Wer im Dunkel lebt und wem kein Licht leuchtet, der vertraue auf den Namen des Herrn und verlasse sich auf seinen Gott.

(Jesaja 50,10)

Liebe Leserin, lieber Leser,

 

sie steht wieder vor der Tür, die Advents- und Weihnachtszeit mit all ihren sich überlagernden Traditionen, Deutungen, Klängen, Lichtern, Befürchtungen und Hoffnungen.

Die immer schriller werdende Weihnachtsindustrie vermag sicher keine Antworten auf Lebensfragen zu bieten. Da ist eher der schnelle Kick im Angebot, dessen Wirkung nicht lange anhält.

Das Leben mit all seinen Herausforderungen geht weiter. Ja, die Herausforderungen erscheinen in der Weihnachtszeit noch dringlicher auf Antworten zu warten.

Und so werden jetzt in besonderer Weise diejenigen angesprochen, die sich nach Licht sehnen, weil ihr Leben dunkel ist, weil sich Probleme nicht auflösen, weil es keine Antwort auf drängende Fragen gibt, weil die Hoffnung erstickt oder allenfalls ein kleiner Funke ist.

Gott wurde Mensch, um so das Dunkel zu erhellen. Nicht auf Befehl unsererseits, nicht berechenbar, aber auf wunderbare Art und Weise. Gott wurde Mensch, um ein Licht anzuzünden, dessen Leuchtkraft im Inneren, also im Verborgenen beginnt. Es ist das Licht der leisen Töne, das Licht der Liebe. Es ist das Licht, das seine Kraft gegen den Augenschein entfaltet und gerade dort wirksam ist, wo wir Menschen auf unsere Schwachheit zurückgeworfen sind: in Krisen, in Schmerzen, in Abschieden und auch im Sterben. Aber auch dort, wo wir die großen Probleme der Menschheit und dieser Welt sehen und gleichzeitig erleben, dass wir dem Rad nur bedingt in die Speichen fallen können.

Wir Christen sind es unseren Mitmenschen schuldig, dieses besondere Licht Gottes nicht unter den Scheffel zu stellen, sondern leuchten zu lassen – aber nicht im Wettstreit mit all den anderen schrillen Lichtern, sondern gerade in der Konzentration auf die Kraft des schwachen und flackernden Lichtes im unwirtlichen Stall.

Wir können und dürfen fröhlich einladen zu diesem Gott, dessen Licht der stärksten Finsternis standhält und der Wege und Mittel findet, Hoffnung und Vertrauen zu wecken, wo alles trostlos erscheint. Wir sind nur Einladende und Hinweis auf Gottes wunderbares Licht, auf das wir zugehen – nein, das uns entgegenkommt, um dann vor uns her zu leuchten.

Das Vertrauen auf den Gott, der selbst Mensch wurde und es mit allen Dunkelheiten dieser Welt aufnehmen kann, wünscht von Herzen

Ihre und Eure Pfarrerin

 

Anja Wessel