Evang. Kirchengemeinde
Markus-Haigst
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Besinnung

Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,20)

Jesus Christus spricht: Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. (Mt 28,20)

 

Liebe Leserin, lieber Leser,

mit Versprechen ist das so eine Sache. Wir alle haben wohl schon erlebt, dass wir – aus welchen Gründen auch immer – ein Versprechen nicht halten konnten. Und umgekehrt auch: dass jemand ein uns gegebenes Versprechen nicht gehalten hat.

Ein Versprechen zu geben, will wohl überlegt sein. Kann und will ich das, was ich zusage, wirklich erfüllen? Gibt es Unwägbarkeiten, die ich aussprechen sollte? Ist ein Versprechen viel­leicht in erster Linie nur Mittel zum Zweck?

Ich habe meinem Mann bei unserer Trauung ein Eheversprechen gegeben: Liebe und Treue ein Leben lang. Dazu stehe ich und gleichzeitig weiß ich, wie schwach wir Menschen oft sind und wie wenig wir über unsere Zukunft sagen können. Deshalb bin ich froh über den Zusatz: „Ja, mit Gottes Hilfe“.

Da Versprechen zukunftsbezogen sind, können wir Menschen sie strenggenommen nur unter Vorbehalt abgeben. Aber wie sähe unser menschliches Miteinander ohne gegenseitige Ver­sprechen aus? Wäre es nicht noch mehr von Misstrauen geprägt? Wir wissen, dass ohne Vertrauen ein gedeihliches Zusammenleben unmöglich ist.

 

Jesus gibt am Ende des Taufbefehls im Matthäusevangelium ein gigantisches Versprechen. Wie oft habe ich diese Worte schon zitiert! Bei jeder Taufe. Oft auch als Entlasswort beim Abend­mahl. Oder als Zuspruch in einer schwie­rigen Lebenssituation. Angesichts des Todes.

Jesus verspricht uns, dass wir nie (!) allein sind. Er sagt nicht: Ich möchte bei euch sein oder: Ich versuche es. Er verspricht uns seine Gegenwart ohne Wenn und Aber. Wir mögen uns einsam oder verlassen fühlen, aber wir sind es nicht. Das kann ich nicht fassen. Darauf kann ich nur vertrauen. Manchmal schleichen sich vielleicht Zweifel ein: Was ist, wenn das alles nicht stimmt? Dann wäre unser Leben in der Tat trostlos.

Nun haben wir aber dieses Versprechen. Und wieder einmal gehen wir auf Ostern zu. Da kön­nen wir all unsere Unzulänglichkeiten und Zwei­fel zu dem Herrn über Leben und Tod bringen. Er wartet auf uns. Nie sind wir allein. Gott schenke uns das Vertrauen in sein Wort und seine unbegrenzten Möglichkeiten.


Von Herzen grüßt Ihre Pfarrerin

Anja Wessel