Evang. Kirchengemeinde
Markus-Haigst
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Liturgische Vesper - jetzt im Audio-Stream und zum Mitmachen

Am Mittwoch, den 22. Juli, am Gedenktag der Maria Magdalena, feiern wir um 19 Uhr die gregorianische Vesper in der Markuskirche. Für diejenigen, die nicht kommen können, besteht die Möglichkeit, den Gesang von Georg Grunenberg zu hören und die Besinnung von Pfarrerin Daniela Dunkel zu lesen.

Die in zwei Teile aufgeteilte Audiodatei finden Sie hier: Teil 1 und Teil 2. Sie können zuhören und einstimmen in den Gesang.

Lesung: Der Ostermorgen (Joh 20, 11-18)

Maria aber stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den andern zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du? Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du? Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen. Spricht Jesus zu ihr: Maria! Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister! Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: »Ich habe den Herrn gesehen«, und was er zu ihr gesagt habe.

Besinnung:

Heute am 22. Juli wird Maria Magdalena geehrt. Vor 4 Jahren hat Papst Franziskus ihren Gedenktag liturgisch zum Feiertag erhoben. Das ist für die Frauen in der röm.kath. Kirche ein wichtiges Zeichen der Wertschätzung. In einer Erklärung aus Rom heißt es diesbezüglich: „Maria Magdalena ist Zeugin des auferstandenen Christus und verkündet die Botschaft von der Auferstehung des Herrn wie die übrigen Apostel. Daher ist es richtig, dass die liturgische Feier dieser Frau denselben Grad eines Festes erhält, den die Apostelfeiern im Römischen Generalkalender erhalten haben.“

In unserem Tagzeitenbuch in der 4. Auflage von 1998 hatte Maria Magdalena bereits einen Eintrag unter den besonderen Feste und Gedenktage. Außer der Gottesmutter Maria wird in unserem Tagzeitenbuch keiner Frau auf diese Weise liturgisch gedacht. Maria Magdalena war Jüngerin, Apostelin und Glaubensvorbild.

Maria Magdalena stammte aus dem Dorf Magdala am See Genezareth, daher ihr Namenszusatz Maria aus Magdalena. Jesus hatte sie dort von bösen Geistern und Krankheiten geheilt. Sieben Dämonen seien ausgefahren heißt es in Lk 8. Maria Magdalena gehörte zu den Frauen, die Jesus gemeinsam mit den zwölf männlichen Aposteln begleiteten. Sie wird jedes Mal mit Namen genannt. Das zeigt, dass sie eine besonders wichtige Person in der Gruppe war, ähnlich Petrus auf der männlichen Seite.

Alle vier Evangelisten berichten, dass sie bei der Kreuzigung und Grablegung Jesu dabei war. Maria Magdalena ist nicht geflohen, sie hat Jesus trotz der sicher nicht ungefährlichen Situation nicht alleine gelassen. Sie hat das schreckliche Geschehen um Jesus, ihren Rabbi, ihren Meister verfolgt. Allein Maria von Magdala hat die Kreuzigung, Grablegung und die Auferstehung als Zeugin miterlebt. Sie verkündet den Jüngern die frohe Botschaft. So wird sie zur Apostola Apostolorum. Sie, eine Frau, erhält vom Auferstandenen selbst den Auftrag zur Verkündigung der Osterbotschaft.

Allerdings wurde dieses Porträt von Maria Magdalena, wie es sich durch die Evangelisten zusammensetzt, nicht in dieser reinen, biblischen Form überliefert. Bereits in der frühen Kirchengeschichte haben sich Legenden um sie gebildet. So wurde Maria Magdalena mit der namenlosen Sünderin aus Lk 7, die Jesus die Füße mit Öl salbt und mit ihren Haaren Jesu Füße trocknet, in eins gesetzt. Papst Gregor der Große hat diese Verschmelzung der biblischen Frauen im 6. Jahrhundert durch seine Magdalenenhomilien festgeschrieben. Zu guter Letzt vermischte auch noch die Legende um Maria Ägyptiaca in das Porträt der Maria Magdalena. Maria Ägyptiaca lebte im 5. Jahrhundert. Nach der Legende war sie eine Prostituierte, die nach ihrer Bekehrung 40 Jahre in der Wüste gelebt hat. Als Büßerinnengewand habe sie angeblich nur ihre Haare getragen und sei von Engeln ernährt worden.

Durch diese Vermischungen entstand das Bild der Maria Magdalena als große Sünderin. Nackt mit langen lockigen Haaren finden wir sie auf Gemälden und als Skulpturen in der christlichen Kunst. In der Ostkirche fand diese Verschmelzung mit den anderen Frauengestalten nicht statt. Da blieb sie die biblische Maria von Magdala als eine der Salbenträgerinnen des Ostermorgens und wird bis heute als Jüngerin und erste Osterzeugin verehrt.

Es ist wichtig, dass wir diese Unterscheidung zwischen biblischer Überlieferung und Legende im Bewusstsein haben. Immer wieder gibt es Spekulationen darüber, ob Jesus und Maria Magdalena ein Paar waren. In der Bibel lässt sich darüber nichts finden. Wenn sich mit der Vorstellung über Maria Magdalena die der großen Sünderin verbindet, dann bekommen diese Spekulationen ein besonderes Gschmäckle.

Dass Maria von Magdala eine hervorragende Stellung innerhalb der Jüngerinnenschar innehatte, zeigt der Vergleich der Evangelien: Im ältesten Osterbericht, den wir im Markusevangelium haben, kommen am Ostermorgen drei Frauen ans Grab: Maria aus Magdala wird zuerst genannt, dann Maria des Jakobus und Salome (Mk 16, 1). Bei Matthäus heißt es bereits verknappt: „Maria aus Magdala und die andere Maria“ (Mt 28, 1). Bei Lukas heißt es nur noch „Am ersten Tag der Woche aber kamen sie zur Gruft“ (Lk 24,1). Und im jüngsten Evangelium, dem Johannesevangelium, steht allein Maria Magdalena im Zentrum der sehr berührenden Ostererzählung. Es geht zu Herzen, wie Maria Magdalena schmerzerfüllt den Leichnam von Jesus sucht. Lediglich bei Johannes erhält ausschließlich Maria von Magdala den Auftrag vom auferstandenen Jesus: „Geh aber zu meinen Brüdern, und sag ihnen: … Maria von Magdala kam zu den Jüngern und verkündete ihnen: Ich habe den Herrn gesehen. Und sie berichtete, was er ihr gesagt hatte.“ (Joh 20,17-18) In den sogenannten synoptischen Evangelien Markus, Matthäus und Lukas erhalten noch alle Frauen den Auftrag, die Auferstehung des Herrn zu verkündigen. Bei Lukas werden am Ende sogar noch mehr Frauen genannt: Maria aus Magdala und Johanna und Maria des Jakobus und die übrigen (Lk 24,10). Im Johannesevangelium wird dieser Verkündigungsauftrag auf Maria Magdalena gebündelt. Erzähltechnisch ist dies eindrucksvoller. So wird bei Johannes Maria Magdalena – hervorgehoben als einzige Frau - zur Evangelistin, das heißt zur Botin, die die gute Nachricht von der Auferstehung des Herrn den Aposteln das verkündigt, was diese dann ihrerseits in der ganzen Welt verkünden werden. Und damit wird sie ganz prägnant zum Modell für jede Christin und jeden Christen auch heute. Amen.

Kollektengebet:

Himmlischer Vater,

Maria Magdalena und einige Frauen, die wir nicht näher kennen, durften den auferstandenen Christus sehen und als Erste den Jüngern die österliche Freude verkünden.

Gib auch uns den Mut, zu bezeugen, dass Christus lebt, damit wir ihn einst schauen in seiner Herrlichkeit, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. Amen.