Evang. Kirchengemeinde
Markus-Haigst
Römerstraße 41
70180 Stuttgart
Tel. 0711 / 60 62 59

Liturgische Vesper - jetzt im Audio-Stream und zum Mitmachen

Am Mittwoch, den 16.09. feiern wir um 19 Uhr die gregorianische Vesper in der Markuskirche. Für diejenigen, die nicht kommen können, besteht die Möglichkeit, den Gesang von Georg Grunenberg zu hören und die Besinnung von Pfarrerin Daniela Dunkel zu lesen.

Die in zwei Teile aufgeteilte Audiodatei finden Sie hier: Teil 1 und Teil 2. Sie können zuhören und einstimmen in den Gesang.

Lesung: 1 Thess 5, 14-24

Wir ermahnen euch aber: Weist die Nachlässigen zurecht, tröstet die Kleinmütigen, tragt die Schwachen, seid geduldig mit jedermann. Seht zu, dass keiner dem andern Böses mit Bösem vergelte, sondern jagt allezeit dem Guten nach, füreinander und für jedermann. Seid allezeit fröhlich, betet ohne Unterlass, seid dankbar in allen Dingen; denn das ist der Wille Gottes in Christus Jesus für euch. Den Geist löscht nicht aus. Prophetische Rede verachtet nicht. Prüft aber alles und das Gute behaltet. Meidet das Böse in jeder Gestalt. Er aber, der Gott des Friedens, heilige euch durch und durch und bewahre euren Geist samt Seele und Leib unversehrt, untadelig für das Kommen unseres Herrn Jesus Christus. Treu ist er, der euch ruft; er wird’s auch tun.

Besinnung über den Wochenspruch/Antiphon:

Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Ps 103, 2)

Mitte September beginnen wir zu realisieren, dass der Sommer sich zu seinem unweigerlichen Ende neigt. Zwar erfreuen wir uns gerade noch überraschend angenehmer Temperaturen. Aber für viele beginnt mit dieser Woche wieder das volle Programm. Die Termine verdichten sich. Corona erschwert uns weiterhin unser soziales Leben und die Aufgaben, die wir zu erfüllen haben. Da denken wir sehnsüchtig an die letzten Wochen zurück, wo wir Freiheiten und sommerliche Freuden in der Natur, auf Balkonien oder im Schwimmbad genießen konnten, trotz Corona.

Oder ist auch unser Blick zurück auf diesen Sommer getrübt? Weil wir nicht die Freiheiten hatten, die wir sonst schon ganz selbstverständlich hinnehmen? Und wir beginnen nun verstärkt mit der sich immer weniger angenehm anfühlenden Jahreszeit innerlich aufzubegehren und uns zu fragen: Was ist gut an diesem verdammten Jahr? Ein tödliches Virus, irre Verschwörungstheorien, im engsten Freundeskreis und innerhalb der Familien heftige Diskussionen um die praktische Umsetzung der Hygieneregeln, soziale Distanz, beruflicher Ärger und Ängste… Nochmals: was ist gut an diesem verdammten Jahr? Am liebsten möchte man vorspulen bis zu einem Zeitpunkt im neuen Jahr, wo sich die Welt wieder anfühlt wie früher. Geht nur leider nicht.

Was ist trotz allem gut für viele Menschen unter uns, was gefällt trotz allem an unserem Jahr 2020, frage ich mich. Und ich hatte diese Frage auch in unserem Club Aktiv Abend im Juli im Römergarten gestellt. Darauf antwortete eine über 80jährige Dame überraschenderweise: weniger Terminstress! Der Lockdown leerte nicht nur den Berufstätigen den Terminkalender, sondern schenkte auch den aktiven Senioren und Seniorinnen mehr Freizeit! Und damit verband sich auch das Nachdenken darüber, ob auch nach Corona weniger Termine im Kalender sinnvoll sei. - Viele erzählten von dem Gefühl der Solidarität und Hilfsbereitschaft. Über die Gefahr der Pandemie wurden auch Kontakte geknüpft: Die Jüngeren fragten die Älteren, ob sie für sie einkaufen sollen oder ob sie sonst irgendwie behilflich sein können. Der Wert der Freundschaft wurde betont, die auch über die soziale Distanz hinweg Nähe zu schaffen versteht. - Desweiteren wurde positiv vermerkt, dass mehr Raum für Stille war, für Besinnung, für das Wesentliche. Auch für das Gebet und die Beschäftigung mit den großen Fragen unseres Glaubens.

Unser Blick sieht gerne den Verlust. Umso hilfreicher ist der Wochenspruch: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Er führt uns unweigerlich zu der Frage: Hat unsere Lebenszeit zu Verlusten geführt oder gab es auch Gewinn? Er wendet unseren Blick von dem, was wir so gerne betrauern, hin zu dem, was unser Herz und unsere Ernte tatsächlich ausmacht: Dass wir den Reichtum an Begegnungen und die Menge an Erlebnissen als einen guten Schatz an Erfahrungen spüren können, denn diese Zusage gilt uns: Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. Amen.

Gebet: Gott, du bist die Quelle der Gnade und lässt uns deine Hilfe erfahren. Öffne unser Herz, dass wir Deine Güte und Barmherzigkeit erkennen und Dir dafür danken, so lange wir leben. Durch unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schenkt in Zeit und Ewigkeit. Amen.