Evang. Kirchengemeinde
Markus-Haigst
Römerstraße 41
70180 Stuttgart
Tel. 0711 / 60 62 59

Liturgische Vesper - jetzt als Audiodatei und zum Mitmachen

Am Mittwoch, den 25.11. feiern wir um 19 Uhr die gregorianische Vesper in der Markuskirche. Für diejenigen, die nicht kommen können, besteht die Möglichkeit, den Gesang von Georg Grunenberg zu hören und die Besinnung von Pfarrerin Daniela Dunkel zu lesen.

Die in zwei Teile aufgeteilte Audiodatei finden Sie hier: Teil 1 und Teil 2. Sie können zuhören und einstimmen in den Gesang.

 

Lesung: Lk 12, 34-40

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen und seid gleich den Menschen, die auf ihren Herrn warten, wann er aufbrechen wird von der Hochzeit, auf dass, wenn er kommt und anklopft, sie ihm sogleich auftun. Selig sind die Knechte, die der Herr, wenn er kommt, wachend findet. Wahrlich, ich sage euch: Er wird sich schürzen und wird sie zu Tisch bitten und kommen und ihnen dienen. Und wenn er kommt in der zweiten oder in der dritten Nachtwache und findet's so: Selig sind sie. Das sollt ihr aber wissen: Wenn der Hausherr wüsste, zu welcher Stunde der Dieb kommt, so ließe er nicht in sein Haus einbrechen. Seid auch ihr bereit! Denn der Menschensohn kommt zu einer Stunde, da ihr's nicht meint.

 

Besinnung zum Wochenspruch: Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. (Lk 12, 34)

„Aufbrechen – immer wieder neu beginnen – unterwegs bleiben“. So lautet das Motto, unter dem die Franziskanerinnen im Kloster Reute ihr Leben gestalten. Sie beziehen sich auf Elisabeth Achler, genannt die Gute Beth, die heute vor 600 Jahren starb.

Am 25. November 1386 wurde Elisabeth Achler in Bad Waldsee geboren und begann 1403 mit vier anderen Frauen in einer Klause zu Reute bei Bad Waldsee ein zurückgezogenes Leben nach der Regel des Heiligen Franziskus. Sie lebten sie in Armut, Abgeschiedenheit und im Gebet vertieft. Es ist überliefert, dass sie sich sehr kasteit habe und sich lange Zeit ausschließlich von der Eucharistie ernährt habe. Auch hatte sie Visionen und gilt daher als Mystikerin. Aus der kleinen Gemeinschaft der Frauen um Elisabeth Achler entstand das Franziskanerinnenkloster Reute. Sie selbst arbeitete in der Küche und versorgte die Armen. Viele Menschen kamen, um sie im seelsorglichen Gespräch um Rat zu fragen. Sie starb an ihrem 34. Geburtstag, also am 25. November 1420, und wird bis heute als Gute Beth verehrt. 1766 wurde sie seliggesprochen.

Während der Säkularisation wurde das Kloster aufgelöst. 1848 kamen Franziskanerinnen aus Ehingen, um das Kloster Reute wieder zum Blühen zu bringen und den Bezug auf ihre Gründerin St Elisabeth wachzuhalten. Ihr Grab in der Klosterkirche ist ein wichtiger Wallfahrtsort für Oberschwaben. Heute ist das große barocke Klostergelände mit einem Bildungshaus eine imposante Einrichtung. Die Franziskanerinnen fühlen sich von ihrer Ordensregel her ganz dem leidenden Menschen verpflichtet und strahlen eine große Zugewandtheit aus. Das Kloster Reute ist mir in verschiedenen Dokumentationen über Klöster im Südwesten positiv aufgefallen. Es gibt auch Nachwuchs unter jüngeren Frauen. Natürlich nicht mehr in einem Maß wie noch bis in die 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts. Für die heutige Situation der Schwesternschaften ist es aber erfreulich, dass es überhaupt Nachwuchs gibt. Die Franziskanerinnen im Kloster Reute leben heute zusätzlich in mehreren kleinen und größeren Konventen in der Diözese Rottenburg Stuttgart. Mit ihrem sozialen Engagement sind sie in der Pflege kranker, behinderter und alter Menschen, in der Arbeit in Hospizen, in der Bahnhofmission, in der geistlichen Begleitung und Erwachsenenbildung, in der Hauswirtschaft, Verwaltung und in handwerklichen Berufen tätig. Zudem sind sie in Indonesien und Brasilien präsent.

Am Vorabend des Geburts- und Todestags der Guten Beth wird im Kloster Reute traditionell ein Lichterfest gefeiert, eine Lichterprozession zu ihrem Grab in der Klosterkirche. Das lang geplante große Fest zum 600. Todestag der seligen Elisabeth wird coronabedingt eher im Kleinen und Stillen gefeiert. Die Schwestern machen auf ihrer Homepage darauf aufmerksam, dass dies schon beim 500. Todestag genauso gewesen sei. Damals gab es ja ebenfalls eine Pandemie, nämlich die Spanische Grippe in ihrer 3. Welle. 1921, im Jahr darauf, hätten dann Tausende den Tag der Guten Beth gefeiert, so viele Menschen wie danach nie wieder. Wünschen wir den Franziskanerinnen in Reute, dass sich auch dies 2021 in großer Freude wiederholen möge.

Lasst eure Lenden umgürtet sein und eure Lichter brennen. Unser Wochenspruch zu Ende des Kirchenjahres passt ganz vorzüglich zu dem Motto der Franziskanerinnen in Reute: „Aufbrechen – immer wieder neu beginnen – unterwegs bleiben“.

Lasst auch uns mutig in das neue Kirchenjahr gehen, das am Samstagabend beginnt, mutig und gelassen: Corona zwingt uns ja, unsere Gemeinschaft auf das wesentliche zu konzentrieren, auf Gottesdienst und Spiritualität. Wir sind gehalten, körperlich Distanz zu wahren, aber das ist nicht gleichbedeutend mit sozialer Distanz. Es gibt gottlob viele Möglichkeiten, miteinander und aneinander Anteil nehmend gemeinsam auf dem Weg zu sein. Dennoch: vieles, das den sozialen Aspekt von Gemeinde ausmacht, kommt gerade zu kurz. Aber wir werden neu damit beginnen, sowie es uns möglich ist. Und wir spüren: wir sind unterwegs! Krisen und Brüche gehören zum Leben mit dazu. Daher aufbrechen, immer wieder neu beginnen und unterwegs bleiben, das ist ein gutes Motto und entspricht dem Lebensziel, unsere Lichter brennen zu lassen, d.h. uns zu unserem Herrn bekennen, in seinem Geist leben, auch wenn unser persönlicher Glaubensweg nicht immer geradlinig sein sollte. Immer wieder neu aufbrechen, um in seinem Geist zu leben, unsere Mitmenschen als Nächste zu begreifen und gemeinsam auf den großen Advent zuzugehen: Dazu verhelfe uns Gott. Amen.

Kollektengebet: Herr Jesus Christus, in Dir ist uns das Heil geschenkt, das alle Zeiten überdauert: Hilf Deiner Kirche, dass sie im Glauben fest bleibe, in der Liebe nicht ermüde und in der Hoffnung auf Dein Kommen warte. Der Du mit dem Vater in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.