Evang. Kirchengemeinde
Markus-Haigst
Römerstraße 41
70180 Stuttgart
Tel. 0711 / 60 62 59

Wir trauern um Heinz Volgnandt

Langjähriger Kirchengemeinderatsvorsitzender verstorben

Von 1978 bis 1989 war Heinz Volgnandt zweiter Kirchengemeinderatsvorsitzender der Markusgemeinde. Am 9. August ist er im Alter von 95 Jahren verstorben. Die Trauerfeier mit anschließender Beisetzung findet am Freitag, 23.August 2019 um 14 Uhr in der Markuskirche statt.

Anlässlich seines 90. Geburtstags fand ein Interview mit Heinz Volgnandt statt, das damals auch auf der Homepage der Markusgemeinde veröffentlicht wurde. Hier noch einmal der Text:

Ein Preuße im schwäbischen Kirchengemeinderat
Heinz Volgnandt war 18 Jahre im Kirchengemeinderat der Markuskirche, davon zwölf Jahre als zweiter Kirchengemeinderatsvorsitzender. Im Dezember wird er 90 Jahre alt, doch das merkt man
ihm nicht an.
Am 16. Dezember 1923 wurde Heinz Volgnandt in Preußen geboren. Das hört man ihm auch noch immer an, obwohl er schon kurz nach dem Zweiten Weltkrieg im Ländle eine zweite Heimat fand. Seine Frau, eine waschechte Schwäbin, lernte er in Aalen kennen. Mittlerweile stehen die eigenen vier Kinder teilweise schon kurz vor dem Ruhestand, und das Paar feiert 2014 die eiserne Hochzeit.

Der Königsberger mit Hang zur Marine kommt aus einer Familie mit einer starken evangelischen Tradition. Seine berufliche Laufbahn startete er als Reichsbahninspektor‐Anwärter, später studierte er dann Bauingenieurswesen in Stuttgart. Nach dem Krieg kam er nach Bopfingen. Dann, bereits mit seiner Frau Margot verheiratet, führte ihn sein Weg nach Stuttgart. Bereits in Bopfingen war Heinz Volgnandt für das Bauunternehmen Aisslinger tätig. In Stuttgart war er dann verantwortlich für den Aufbau einer neuen Betriebsstätte. Die Firma Aisslinger gibt es mittlerweile nicht mehr. Das Unternehmen baute vor allem Kläranlagen und Brücken. In guten Zeiten führte er bis zu 80 Mitarbeiter in Stuttgart. Der passionierte Segler und Fotograf setzte sich alsbald nach dem Umzug von der Gänsheide in den Sprengel der Markuskirche für die Belange der Gemeinde ein.

„Wissen Sie, ich bin nicht besonders fromm“, schmunzelt der 89‐Jährige. Doch wer den Protestanten aus Überzeugung besonders geprägt hat, war Martin Niemöller. Wie der Pfarrer und Widerstandskämpfer
Niemöller war auch Heinz Volgnandt der Marine sehr verbunden. „Vom U‐Boot zur Kanzel“, das Buch von Pastor Niemöller hat ihn sehr beeindruckt.
Heinz Volgnandt war von 1978 bis 1989 zweiter Kirchengemeinderatsvorsitzender. Im Kirchengemeinderat engagierte er sich noch bis 1995. Rückblickend empfand er die Zeit als sehr harmonisch mit den Pfarrern und den anderen Kirchengemeinderäten. Damals war es eine Zeit des Umbruchs. Die Gemeinde war groß, es gab insgesamt drei Pfarrer, und in den 70er Jahren kamen auch viele Gastarbeiter in die Stadt. In seine Zeit fiel eine umfassende Kirchenrenovierung: Innen wurden unter dem Kalk Fresken gefunden. Leider bereut er heute als Schwerhöriger, die Wände nicht schallisoliert zu haben. Beim Festgottesdienst nach der  Renovierung wurde ihm sogar die Kanzel genehmigt.

Mit Martin Niemöller, dem Idol seiner Jugend, kam Heinz Volgnandt dann an den Feierlichkeiten der Gedenktafelanbringung im Jahre 1979 zusammen. Martin Niemöller war EKD‐Mitbegründer und einer der Ratsmitglieder, die das Stuttgarter Schuldbekenntnis verfasst hatten und in der Markuskirche am 19. Oktober 1945 vortrugen.
Bei der feierlichen Einweihung der Tafel zum Stuttgarter Schuldbekenntnis sprach auch Heinz Volgnandt, damals als zweiter Vorsitzender des Kirchengemeinderates, von der Kanzel aus über das Bekenntnis als Mahnung zur Besinnung, zum mutigen Bekennen, zur Liebe an allen Menschen.

In den vielen verantwortungsvollen, aber auch extrem stressigen Jahren als Betriebsleiter bei Aisslinger war er immer für die Belange der Markuskirche da, bis er nach 18 Jahren dann auch etwas amtsmüde wurde. Eigentlich wollte er schon früher aufhören.
Lange Jahre hat er sich auch im Gesamtkirchengemeinderat im Bauausschuss für die Belange der Stuttgarter Kirchen eingesetzt. Auch war ihm wichtig, die leichte Vergoldung an der Markuskirche zu erhalten. Vor allem seiner Frau Margot ist es unter anderem zu verdanken, dass das Paul‐Fischer‐Haus umgebaut und mit einem Glasdach versehen wurde. In diese Zeit fiel auch der Bau des Waldheims Altenberg.
In den Zeiten des Vietnamkrieges engagierten sich die Volgnandts, auch wenn sie teilweise den Asylverfahren kritisch gegenüber standen, für zwei vietnamesische Flüchtlinge, die sie damals bei sich aufnahmen.
In seine letzte Amtszeit als Kirchengemeinderat fiel die Sammelaktion zur Wiederinstandsetzung des Markuslöwen, der unter Sturm Lothar außerordentlich gelitten hatte. Vor allem der Verkauf eines Markuslöwenbildes ‐ ein Siebdruck von Frederick Bunsen ‐ sorgte für großzügige Spenden aus der Gemeinde.

Heinz Volgnandt ist eine Institution in der Markuskirchengemeinde.
Wir wünschen ihm und seiner Frau weiterhin Gesundheit und Elan auch im hohen Alter.